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Rosen, Stofftiere und Schlüpfer - Dito!

  • Autorenbild: Oli Clemens
    Oli Clemens
  • vor 3 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Habt ihr euch schon mal gewundert, dass ihr jemandem einen schönen Tag wünscht und die Person nur kurz und knapp mit "dito" antwortet. Oder ihr teilt einer anderen Person mit, wie angenehm ihr die Zeit gerade mit ihr empfindet und hört wieder nur "dito". Was kurz angebunden und schroff klingt, ist gar nicht so gemeint, denn "dito" bedeutet ebenso oder gleichfalls. Haben wir dieses Rätsel der römischen Kultur schon schon mal gelöst. Unsere nächste Aufgabe ist es dann herauszufinden, warum "Dito" auch der Name eines sehr außergewöhnlichen Assoziationsspiels ist, bei dem sogar Wortspielmuffel gerne einsteigen.



Dito! | Martin Ang | Game Factory 2026


Hätte keinen Untertitel gebraucht
Hätte keinen Untertitel gebraucht

Dito! (2026)

💡 Martin Ang ✏️ Untai Studio ⁉️ Partyspiel 👨‍👩‍👧‍👧 3-7 Personen ab 10 Jahren 🕔 30 Minuten


schon mal vorweg


2025 luden mich Freunde dazu ein, ein besonderes Assoziationsspiel kennenlernen, das auf Englisch war. Der Name war "JinxO". Im Titel steckte bereits ein Wortspiel, denn ein mit Jinx ist im Englischen gemeint, wenn zwei Leute das Gleiche sagen oder denken. Das traf im Kern auch auf das Spiel zu, denn zu Oberkategorien musste ich drei Begriffe auf einer Schreibschablone aufschreiben und hoffen, dass bei mindestens einer anderen Person diese Begriffe auch auftauchen. Das JinxO-Spielerlebnis war großartig, weil wir die Regeln einfach zu verstehen waren und wir einfach die meisten Kategorien unproblematisch in die deutsche Sprache übertragen konnten. Schwierigkeiten hatten wir, wenn Fragen auftauchten, die auf US-amerikanischen Alltags- oder Popkultur zurückgriffen. Mit meinem Wissen um ameikanische Halloween-Bräuchen ist es halt nicht so weit her. Da ist bei trick-or-treat schon Schluss.


Auf jeden Fall wunderten wir uns alle, dass noch kein deutscher Verlag eine Lokalisierung an Land gezogen hatte. Sollte ein genialer Assoziationsspaß wie "JinxO" wirklich nicht den Weg über den Atlantik schaffen? < setze hier eine dramatische Pause ein > Aber wie es mit den richtig guten Spielen immer so ist, kam auch hier Rettung in Form einer Lokalisierung. 2026 wurde "JinxO" zu "Dito!".





darum geht's


In dem Wort-Assoziationsspiel "Dito!" möchtest du über drei Runden die meisten Punkte erspielen, um alleine zu gewinnen. Das geht aber nur mit der Hilfe der anderen, denn du möchtest Übereinstimmungen zwischen deinen und deren Assoziationen erreichen. Jede Runde besteht aus drei Durchgängen, jeder Durchgang aus drei Schreibphasen und einer Auflösung, bei der es Punkte gibt. In der Schreibphase zieht jemand von euch eine der verdeckten, zweigeteilten Kategorienkarten und wählt allein und völlig undemokratisch die Kategorie aus, die gleich gespielt werden wird. Beispielsweise müsst ihr euch gleich mit der Frage beschäftigen, was man auf eine Bühne wirft. Fang schon mal an im Kopf deine Gedanken zu sortieren:

Rosen, Stofftiere oder Schlüpfer? Oder doch Flaschen, Beleidigungen und volle Getränkebecher? Oder ist es der Mix draus, den du gleich aufschreiben wirst.



was wählst du?
was wählst du?

Das Vorlesen des Oberbegriffs kann schon mal Stöhnen, Jubel oder fragende Gesichter bei den anderen hervorrufen. Aber egal, du allein darfst entscheiden! Alle Schreiben dann ultrageheim 3 Begriffe auf ihre Schreibunterlage, die ihnen dazu einfallen. Diese ist in ein 3x3-Raster eingeteilt und vor allen Dingen bunt nund funktional! Um am besten: Sie lässt sich super reinigen zwischen den Durchgängen. Diese Phase wirkt immer ein bisschen improvisiert. Sichtschirme, um die neugierigen Blicke der anderen abzuwehren, gibt es nicht. So bleibt oft der akrobatische Akt, das Schreibtableau leicht angewinkelt in der Luft zu halten und aufzuschreiben. Das Ergebnis kann durchaus krakelig aussehen. Wie gut, dass die "Dito!" keine Extrapunkte für Schönschrift gibt - oder abzieht.

Du suchst frei aus, wohin du deine deine Begriffe in dem Raster schreiben wirst. Oder vielleicht doch nicht? Es gibt durchaus Denkprozesse, die dich lenken. Doch dazu mehr gleich, wenn es um die Bepunktung geht. Dieser Prozess aus Karte ziehen, vorlesen und Gedanken dazu aufschreiben läuft dreimal nacheinander ab. Im Anschluss kommt es für alle Begriffe zur Auflösung und Vergabe der Punkte



das kitzeln beim karteziehen


Der Dito-Spaß beginnt bei mir schon mit der Auswahl der Kategorie. Manchmal sind die Entscheidungen absolute No-Brainer, wie beispielsweise leckere Eissorten oder Dinge, die man sonntags macht. Irgendwie passen sie entweder absolut zu mir und der Gruppe in der ich gerade spiele. Bei Eissorten kann irgendwie nichts schief gehen. Schoko und Zitrone sind all-time-favourites, die dritte Sorte wäre zwar Mango, aber ich will ja erreichen, dass ich Übereinstimmungen habe, also studiere ich die Leute genau, die gerade nachdenken und schreiben. Ach, da ist ja Martina. Ihre liebste Eissorte ist Nuss. Also schreibe ich diese auf, auch wenn ich sie unglaublich ungenießbar finde. Aber was mache ich nicht alles für einen BFF-Stern, der mir Extrapunkte geben wird.


beim Spielen bin ich ein Opportunist
beim Spielen bin ich ein Opportunist

Hmm, Moment. Lasse ich wirklich Zitrone stehen? Kennen die anderen mich so gut? Zitrone ist ja nicht so beliebt. Nehme ich vielleicht doch lieber Vanille? Stinklangweilig und definitiv für meinen Gaumen absolut öde, aber ich will ja Punkte. Also korrigiere ich so halbselbstbewusst Zitrone in Vanille und bin schon gespannt auf die Auflösung, die gleich stattfinden wird.



dafür gibt's punkte Jetzt werden reihum Begriffe vorgelesen. Haben mehrere Personen einen Begriff gemeinsam, umkreisen sie diesen. Das bedeutet für alle einen Punkt. Habe ich nur genau eine Übereinstimmung mit einer Person, malen beide zusätzlich einen BFF-Stern aus. Der bringt 2 Punkte. Hat niemand den gleichen Gedanken gehabt, wie ich, gibt es auch keine Punkte. Und jetzt erfahrt ihr das Geheimnis des 3x3-Rasters.


Befinden sich in einer Reihe oder Spalte am Ende der Auflösung 3 umkreiste Begriffe, gibt es einen Bonus zwischen 1 und 3 Punkten. Die sind aber unterschiedlich angeordnet. Es macht also doch Sinn, bei der Eisfrage Schoko oben rechts aufzuschreiben und Nuss lieber unten links. Ich setze einfach darauf, dass mehr auch an die ultrapopuläreundbeste Eissorte Schoko denken, und an diesem Ort kann ich mir dann strategisch den besseren Bonus erarbeiten. Ja, "Dito!" arbeitet auch mit dem opportunistischen Potential deiner Persönlichkeit.



lief nicht so geil in Runde 2
lief nicht so geil in Runde 2

Haben alle wirklich auch alle Begriffe vorgestellt, endet dieser Prozess und es werden dann die erreichten Punkte gezählt und auf deiner Schreibunterlage am rechten Rand in vorgesehenen Feldern festgehalten. Und hier ein Lifehack: Wenn ihr danach das Tableau wieder sauber macht, achtet darauf, die Punkte für die gespielten Runden stehen zu lassen! Ich spreche da aus eigener persönlicher Unzulänglichkeit.

So spielt ihr insgesamt 3 Runden. Dann habt ihr genau 9 der 200 Kategoriekarten kennengelernt. Genug Potential also für noch viele, viele Runden Assoziationsspaß.



woher kommt der reiz


"Dito!" hat für mich mehrere ganz starke Aspekte. Zum einen krame ich in meinen Neuronen nach objektiv passenden Assoziationen zur Kategorie. Das macht mir immer Spaß, wenn ich passives Wissen in aktives Wissen umsetzen kann. Die Assoziationen müssen aber auch mehrheitentauglich sein. Was nützt es, wenn ich bei der Kategorie andere Namen für den Teufel mit dem Begriff Abbadon glänze, die anderen aber Belzebub, Satan und Luzifer aufgeschrieben haben.

Mit der Qualität der Kategorien schafft es "Dito!", einen super Mix aus Mainstream und Nischenfragen zu zaubern. Da sind wirklich gute Lokalisierungen aus dem Original gelungen und die Kategorien sind wunderbar unseree mitteleuropäischen (Er-)Lebenswelt angepasst. Transportmittel ohne Motor, gute Streetfood-Gerichte, trägt man, um eine Date zu beeindrucken wechseln sich mit gruseligen Märchen, Sonntagsaktivitäten und Orten, an denen man ruhig sein muss ab. Und das Beste: DU hast immer die Wahl.

Und weil die Kategorien so abwechslungsreich sind, ist "Dito!" auch wirklich ein gutes Spiel, um bereits Kinder zu integrieren. Die machen es teilweise auch super spannend, weil sie eben andere Denkmuster und Gedankenverknüpfungen haben als Erwachsene.


Elefant, Giraffe, Esel - gehst du mit?
Elefant, Giraffe, Esel - gehst du mit?

Spielt ruhig mal mit den Mit-Vierzigern Simon und Michael, die beide IT-ler sind, plus der vierzehnjährigen Johanna und dem elfjährigen Aaron die Kategorie Apps, ohne die man nicht leben könnte. Ihr werdet staunen, wie unterschiedlich die Antworten sein werden. Was bitte sehr ist Putty? Da fragen sicher Johanna und Aaron mal ihre bevorzugte AI-App auf dem Smartphone.


Nur ganz selten sind wir beim Spielen auf Kategoriekarten gestoßen, bei denen Achselzucken vorherrschte, so beispielsweise die Auswahl zwischen Dort versteckt man das geheime Tagebuch und Dinge, die in einen Familienchat weitergeleitet werden. Passt irgendwie gerade gar nichts für euch, zieht einfach eine neue Karte. Sind ja genug da. So entstehen Hausregeln.

Eine starke Seite von "Dito!" habe ich euch noch unterschlagen. Ich nenne sie mal den Hitster-Faktor. Auch "Dito!" schafft es, Erinnerungen hervorzuholen. Bei Spiele auf dem Pausenhof denkt man zurück an seine eigene Schulzeit. Da kann dann als Assoziation schon mal Skat oder boxen auftauchen - abwägig für Punkte, aber wahr und gleichsam wertvoll, weil direkt im Anschluss entweder ein Gespräch beginnen kann, oder einfach mal herzhaft laut gelacht werden kann, High-Fives inklusive. Spannend ware auch unser Austausch über Meilensteine im Leben. Da zwischen Geburt und Tod reichlich zu erfahren und auch emotional zu erleben ist, hatten wir danach auch viel zu reden oder still über unsere Gefühle zu schweigen.


jederzeit gerne


"Dito!" schafft es durch seine extrem schlanken Regeln, die dauerhafte Teilnahme am Spielgeschehen und den motivierenden Kategorien sogar Wortspie-Muffel mitzureißen. 200 Karten mit insgesamt 400 Kategorien warten darauf, von euch assoziiert, vorgestellt und diskutiert zu werden. Da kommen sicher viele Partien zusammen, zumal die Zusammensetzung der Personen auch immer ein verändertes Spielerlebnis ermöglichen wird.


bunt, funktional und motivierend
bunt, funktional und motivierend

Die Stifte sind vielleicht suboptimal dick für die Größe der Felder. Da zumindest ich mit dem Board in der Hand schreibe, damit mir niemand auf die Finger schaut, kommt da manchmal schon ein Gekrakel heraus. Habt ihr noch irgendwo abwischbare Stifte mit dünneren Spitzen, dann nehmt die. Die Tatsache, dass sogar Bonus-Läppchen zum Reinigen der Spieltableaus mitgeliefert werden, macht die Sache aber absolut verschmerzbar.



Transparenzhinweis:  Das Spiel wurde zu Rezensionszwecken ohne Auflagen zur Verfügung gestellt.



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